Digitale Forschung und Entwicklung

Die Datei fehlt.
Was bleibt?

Eine Oberfläche zeigt, was sichtbar sein soll. Forensische Forschung untersucht auch das, was darunter liegt: Fragmente, Datenbankseiten, interne Verweise und eingebettete Inhalte.

HASHBUNNY entwickelt eigene Analyseverfahren und Werkzeuge für genau diese Ebene. Wir verfolgen eine Spur von ihrer Fundstelle über ihre Struktur bis zu der Frage, was sich daraus tatsächlich rekonstruieren lässt.

In die Untersuchungen einsteigen
Elektronikarbeitsplatz mit Mikroskop, Platine und Messgerät
Unterhalb der sichtbaren Oberfläche

Ein gelöschter Eintrag erzählt nicht die ganze Geschichte.

Dateireste und Begleitinformationen können an anderen Stellen erhalten bleiben. Ob daraus ein verwertbarer Befund entsteht, hängt vom Speicherzustand und den verfügbaren Quellen ab. Die Untersuchung folgt deshalb mehreren Ebenen: Inhalt, Struktur und Zusammenhang. Forensische Grundlagen bei NIST ↗

01 / InhaltWelche Bytes sind vorhanden?
02 / StrukturWelche Teile gehören zusammen?
03 / ZusammenhangWelche Aussage tragen die Funde?
Untersuchung 01 / Eingebettete Inhalte

Ein unbekannter Binärwert.
Drei weitere Spuren.

Ein Format kann weitere Formate enthalten. Genau dort setzt eine unserer Rekonstruktionsstufen an.

Ein BLOB ist ein gespeicherter Block binärer Daten. In einem kontrollierten Versuch wurde ein solcher Wert zunächst als unbekanntes Binärformat eingeordnet. Unsere entwickelte Analysestufe untersuchte seinen Inhalt weiter und schrieb drei eingebettete Artefakte getrennt heraus: PNG, PDF und ZIP.

1 BinärwertPNG · PDF · ZIP

Der Erkenntnisgewinn liegt in der zusätzlichen Untersuchungsebene: Eine äußere Klassifikation kann den interessanten Inhalt verdecken. Die Analyse muss deshalb auch innerhalb eines rekonstruierten Objekts ansetzen können.

Versuchsaufbau und Aussagekraft

Der protokollierte Lauf vom 9. Mai 2026 meldete ein übergeordnetes Objekt, drei geschriebene eingebettete Artefakte und deren vorhandene Ausgabedateien. Das Ergebnis belegt die Extraktion in diesem Testfall. Ob jedes gewonnene Objekt vollständig nutzbar ist, wird anschließend anhand seines jeweiligen Formats geprüft.

Untersuchung 02 / Datenbankartefakte

Die Spur kann neben der Datenbank liegen.

Journaldateien, frühere Seiteninhalte und eingebettete Werte eröffnen zusätzliche Untersuchungsrichtungen.

SQLite organisiert Daten in Seiten. Je nach Betriebsart halten Begleitdateien geänderte Seiten oder frühere Seiteninhalte fest. Ein WAL enthält geschriebene Seitenstände; ein Rollback Journal unterstützt das Zurücksetzen einer Transaktion. Solche Dateien können für die Einordnung eines Datenbankzustands entscheidend sein. SQLite Dateiformat ↗

Unsere Versuchsreihe untersuchte diese Strukturen gezielt. Im Versuch mit einer WAL Datei wurde ein vorbereiteter Textmarker in einem untersuchten Frame erkannt. Beim Journalversuch wurde ein Datensatzbereich ausgewertet; der erwartete Marker erschien sowohl im Arbeitsspeicher als auch in der geschriebenen Ausgabe.

Weitere Entwicklungsstufen behandelten freie Bereiche innerhalb von Seiten, ausgelagerte Inhalte auf zusätzlichen Seiten und das Auslesen gespeicherter Werte. Daraus entstand ein Ansatz, der unterschiedliche Fundorte innerhalb und neben einer Datenbank getrennt erschließt.

Was Fachleute an dieser Stelle prüfen

Ein Frame ist ein Eintrag mit dem Inhalt einer Datenbankseite. Seitenzuordnung, Zustand und Bezug zur Hauptdatei müssen zusammen betrachtet werden. Ein extrahierter Wert ist zunächst ein Artefakt; seine frühere Bedeutung in einer Anwendung ergibt sich erst aus weiterem Kontext. Die dokumentierten Versuche prüfen einzelne Rekonstruktionsfunktionen mit definierten Testdaten.

Untersuchung 03 / Beschädigte Container

Was trägt noch, wenn die Ordnung im Archiv zerbricht?

Innere Bestandteile erkennen, Teilergebnisse gewinnen und ihren Zustand präzise beschreiben.

ZIP Archive enthalten Strukturen für einzelne Einträge und ein übergeordnetes Verzeichnis. Unsere Entwicklung untersucht auch Bestandteile über ihre lokalen Eintragsköpfe. Damit richtet sich die Analyse auf erhaltene innere Strukturen eines beschädigten Containers. Technische ZIP Spezifikation ↗

Die kontrollierte Versuchsreihe umfasste unvollständige Archiveinträge, nachgelagerte Größeninformationen, ZIP64 sowie teilweise beschädigte komprimierte Inhalte. In einem Versuch wurden erhaltene XML Bestandteile gewonnen und das Ergebnis ausdrücklich als unvollständiges Dokument eingeordnet.

Das ist eine wesentliche Entwicklungsaufgabe: Das Verfahren muss verwertbare Bestandteile ausgeben und zugleich ihre Grenzen erhalten. Ein sauber gekennzeichneter Teilfund kann eine Untersuchung weiterbringen, ohne Vollständigkeit vorzutäuschen.

Die Begriffe hinter dem Versuch

ZIP64 erweitert Größenfelder und weitere Kapazitätsgrenzen des ZIP Formats. Ein Data Descriptor kann Größen und eine Prüfsumme nach den eigentlichen Dateidaten enthalten. DEFLATE bezeichnet ein Kompressionsverfahren. Die Entwicklungsreihe enthält erfolgreiche Funktionsprüfungen für diese unterschiedlichen Strukturvarianten; die Ergebnisse gelten für die jeweiligen Testfälle.

Selbst ausprobieren / Integrität

Ein Zeichen.
Ein anderer Hash.

Zwischen einer gesicherten Datei und ihrer späteren Auswertung liegt eine entscheidende Frage: Sind es noch dieselben Daten? Genau hier werden Hashwerte in unserer Arbeit wichtig.

Ein kryptografischer Hash bildet Daten auf einen Prüfwert fester Länge ab. SHA steht für Secure Hash Algorithm. SHA256 erzeugt 256 Bit, dargestellt als 64 hexadezimale Zeichen. Gleiche Eingabebytes ergeben denselben Wert. Eine kleine Änderung kann ein völlig anderes Muster erzeugen. Secure Hash Standard ↗

In unseren Entwicklungsprotokollen dokumentieren Hashvergleiche beispielsweise, ob gespiegelte Quellstände übereinstimmen. Für eine Untersuchung verknüpft man den Wert mit dem gesicherten Datenobjekt, dem Verfahren und dem Erfassungszeitpunkt. Ein Wert ohne zugehörige Quelle verliert seinen Bezug.

SHA256 der Referenza6166319b26349c88cce3715b66dc653e62f884dedc657fe07e7b225883d4507
SHA256 des Vergleichs2213b9f0476f4de8d1c73f361635706616cdb02be03fc5e73b70990cf4425384

Ändere ein Zeichen oder vergleiche zwei identische Texte. Berechnet werden die exakten Texte als UTF8, einschließlich Leerzeichen.

113 von 256 Bit unterscheiden sich im gezeigten Beispiel.

Die Berechnung erfolgt im Browser. Die Texte werden nicht übertragen. Unterschiede im Vergleichswert werden markiert.

Was ein Vergleich zeigt

Unterschiedliche Hashwerte zeigen bei gleichem Verfahren unterschiedliche Eingabedaten. Ein übereinstimmender kryptografischer Hash liefert ein starkes Indiz für identische Inhalte; theoretisch sind Kollisionen möglich.

Was zusätzlich geklärt werden muss

Ein Hash nennt weder den Urheber noch die Entstehungszeit. Er beweist auch nicht, dass der Inhalt wahr ist. Herkunft, Erfassung und Interpretation brauchen eigene Nachweise.

Vom Kontrollversuch zum Datenträger

Eine Methode muss auch ihre eigenen Treffer hinterfragen.

Softwareentwicklung an einem gebogenen Bildschirm mit Code, Kommandozeile und Anwendung

Unsere Rekonstruktionsarbeit verbindet kontrollierte Testdaten mit Versuchen an realen Datenträgern. Definierte Marker machen im Labor sichtbar, ob ein erwarteter Inhalt ankommt. Reale Medien stellen zusätzliche Anforderungen an Adressierung, Datenmenge und Auswahl der Funde.

Ein abgebrochener Datenträgerversuch machte eine unkontrollierte Ausgabemenge sichtbar. Daraus entstanden gezielte Prüfungen für Ausgabebegrenzung und scheinbar leere Blöcke. Im anschließenden Kontrollversuch wurden vor dem Überspringen Signaturen geprüft: 14 Blöcke wurden ausgelassen, zwei relevante Blöcke untersucht und eine Bildausgabe kontrolliert begrenzt.

Die Forschungsfrage dahinter reicht über Geschwindigkeit hinaus: Wie reduziert ein Verfahren irrelevante Ausgabe, ohne interessante Strukturen vorschnell auszusortieren? Genau dafür werden Filterverhalten und Rekonstruktion getrennt beobachtet.

Wie wir Ergebnisse fachlich einordnen

Die beschriebenen Erfolge stammen aus abgegrenzten Versuchen. Spätere Tests an realen Datenträgern zeigten weiterhin Probleme, unter anderem bei der Adressierung. Für die Bewertung bleiben Testdaten, erwartetes Ergebnis, tatsächliche Ausgabe und bekannte Einschränkungen zusammen erhalten. Eine breite Erfolgsquote lässt sich daraus nicht ableiten.

Mobile Forensik

Die Untersuchung beginnt am Fundort.

Robustes Tablet neben mobilen technischen Geräten und Transportkoffern

Zum Entwicklungsbestand gehört eine eigene Arbeitsoberfläche für Forensik Tablets. Untersuchungskontext, Szenarien und lokale Arbeitshilfen werden auf dem Gerät zusammengeführt. Ein eingebundenes Arbeitsbuch erschließt Werkzeugkarten, Vorgehensweisen und bekannte Fehlerbilder.

Die dokumentierten Gerätetests bestätigen den lokalen Abruf dieser Inhalte und ausgewählte Bedienabläufe. Der Forschungsfokus liegt auf dem Weg vom Untersuchungsszenario zum passenden Werkzeug und zu einer nachvollziehbaren Ausgabe.

Hier trifft Softwareentwicklung auf eine praktische Anforderung: Auch unter wechselnden Arbeitsbedingungen müssen Untersuchende erkennen können, welchen Schritt sie ausführen und worauf sich dessen Ergebnis bezieht.

Wissen und lokale KI

Auch eine KI Antwort braucht einen überprüfbaren Fundort.

Für eine eigene Wissensplattform wurden Texte erschlossen, katalogisiert und über eine Leseansicht zugänglich gemacht. Eine erste Suche übergibt gefundene Textauszüge an ein lokales Sprachmodell. Der dokumentierte Importstand umfasste 382 nutzbare Dokumente.

Eine gesonderte Versuchsreihe prüfte Antworten anhand nummerierter Quellzeilen. Der entscheidende Bezug ist dabei die konkrete Passage, aus der eine Aussage abgeleitet wird. Die Entwicklung untersucht, wie Dokumentauswahl, Kontext und Antwort zusammenwirken.

So ergänzen sich Rekonstruktion und Wissenserschließung: Die eine Arbeit gewinnt Inhalte aus Datenstrukturen, die andere macht vorhandenes Fachwissen für die Untersuchung zugänglich.

Fachsprache verständlich

Begriffe, die einen Befund verändern.

Jeder dieser Begriffe beantwortet eine andere Frage an digitale Spuren. Zum Vertiefen aufklappen.

Artefakt / Was wurde gefunden?

Ein digitales Artefakt ist ein untersuchbarer Datenrest oder Datensatz, etwa ein Fragment oder ein Journaleintrag. Seine Bedeutung entsteht durch Inhalt und Kontext. Eine Spur muss nicht bereits eine vollständige Datei sein.

Carving / Daten ohne Verzeichnis erschließen

Beim Carving werden Inhalte anhand ihrer Kennungen und Strukturen aus Datenbereichen gewonnen. Eine Dateisignatur liefert einen Ansatzpunkt. Weitere Formatprüfungen entscheiden, ob die vermutete Zuordnung trägt. NIST zu Dateistrukturen ↗

Offset / Wo beginnt die Spur?

Ein Offset bezeichnet eine Position relativ zu einem Bezugspunkt, zum Beispiel Byte 4096 ab Beginn einer Datei. Bei einer Rekonstruktion muss klar sein, ob sich die Position auf den Datenträger, eine Partition oder ein einzelnes Objekt bezieht. Eine falsche Bezugsbasis verschiebt die Untersuchung an die falsche Stelle.

BLOB / Binärdaten in einer Datenbank

Binary Large Object bezeichnet einen Binärwert in einer Datenbank. Darin können beispielsweise Bilddaten oder andere Dateiinhalte liegen. Der vorgestellte Versuch zeigt, warum zusätzlich die innere Struktur eines solchen Wertes untersucht wird.

Metadaten / Informationen über Informationen

Metadaten beschreiben Daten, beispielsweise durch Formatangaben, Größen oder gespeicherte Zeitinformationen. Sie helfen bei der Zuordnung. Ein Zeitstempel muss im Kontext seiner Entstehung und der verwendeten Zeitbasis gelesen werden. NIST zu Metadaten ↗

Integrität / Ist der Datenstand unverändert?

Integrität beschreibt hier die Unverändertheit der untersuchten Daten. Hashvergleiche unterstützen diese Prüfung. Für rekonstruierte oder bearbeitete Ableitungen werden eigene Werte benötigt: Sie sind andere Datenobjekte als die ursprüngliche Sicherung.

Chain of Custody / Der Weg des Beweisstücks

Diese Dokumentationskette hält fest, wer ein Beweisstück wann übernommen, verwahrt oder weitergegeben hat und zu welchem Zweck. Sie ergänzt die technische Integritätsprüfung um den Umgang mit dem Material. NIST zur Dokumentationskette ↗

False Positive / Ein Treffer, der keiner ist

Ein False Positive ist eine irrtümliche positive Einordnung. Bei der Rekonstruktion kann eine zufällige Bytefolge wie eine bekannte Kennung aussehen. Strukturprüfungen helfen, solche Kandidaten auszusortieren. NIST zu Fehlalarmen ↗

Mann mit Brille und schwarzem Rollkragenpullover in einem Büro
Perspektive eines Forschers

Unterschätze nie eine Spur im richtigen Zusammenhang.

Ein unscheinbarer Verweis, ein erhaltener Seitenstand oder ein eingebetteter Inhalt kann eine neue Untersuchungsrichtung eröffnen. Unsere Forschung folgt diesen Beziehungen bis zu einem überprüfbaren Befund.

Wer auf übersehene Spuren setzt, sollte gründliche Analyse ernst nehmen.

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